Kurztrip in den Harz

Wernigerode
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Harz
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Wandern im Harz -
Travelguide für einen Kurztrip

Der nächste Urlaub in weiter Ferne, das Reisebudget des Jahres neigt sich dem Ende zu und der alltägliche Stress raubt dir den letzten Nerv? Ein Kurztrip kann da wahrlich Abhilfe schaffen! Obwohl uns die Reiselust meist in weit entfernte Ecken der Erde befördert, versuchen wir so oft wie möglich eine Auszeit im schönen Deutschland einzulegen. Du findest Deutschland langweilig? Mitnichten! Wusstest du beispielsweise, dass der Harz einen Urwald besitzt, bereits Johann Wolfgang von Göthe den sagenumwobenen Berg bestieg und der Brocken sogar mit einer Bahn erreichbar ist? Wir finden, dass jeder mal in seinem Leben die Wanderung auf den Berg mit dem unästhetischen Namen unternehmen muss. In diesem Beitrag findest du alles, was du für einen Kurztrip in den Harz wissen musst.

Der Harz - How to get to?

Der Harz befindet sich im Schnittpunkt zwischen dem Länderdreieck Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Damit ist das Wandergebiet aus vielen Städten leicht per Bus und Bahn erreichbar. Wir haben uns mithilfe des Sparpreisfinders der DB das günstige Ticket gesucht und sind damit in Wernigerode gelandet.

Tipp: Hast du auf deiner Zugfahrt sowohl eine ICE/IC als auch eine Regionalverbindung enthalten, kannst du die Regionalfahrten nahezu beliebig verschieben. Wir haben uns das zunutze gemacht und sind zwischendurch in Goslar ausgestiegen, um uns die durch UNESCO erhaltene Altstadt zwei Stunden anzuschauen.

↠ Goslar: 2 Stunden Zwischenstopp

↠ Wernigerode: 2 Nächte

Kurztrip Harz - Route

Der Harz - What to do?

Goslar

Goslar gehört zum Weltkulturerbe und ist die kleine Perle von Niedersachsen. Die wunderschöne Altstadt wurde im 2. Weltkrieg größtenteils verschont und ist somit historisch einzigartig erhalten geblieben. Die alte Kaiserstadt punktet mit verwinkelten Gassen, alten Fachwerkshäusern und einem anziehenden Charme. Die sogenannte Abzucht durchschlängelt die gesamte Stadt, die Kaiserpfalz erinnert an die herrschaftlichen Verhältnisse und der Rammelsberg an die große Geschichte des Bergbaus.

Die Kaiserpfalz

Die Pfalz diente im Mittelalter über 200 Jahre lang als Sitz der Kaiser und seiner Regentschaft. Das UNESCO-Weltkulturerbe wurde zwischen 1050-1050 errichtet und umfasst 61,200 qm(!) Fläche. Während früher der Adel ein- und ausging, dient die herrschaftliche Anlage heute als Museum und ist ganzjährig besuchbar. Wenn dir der Eintritt zu teuer ist, kannst du das Gelände einfach fußläufig erkunden und dir vorstellen, wie die Menschen hier früher lebten. Wer in Goslar ist, sollte hier auf jeden Fall vorbeischauen.

Öffnungszeiten: Täglich 10:00-17:00 Uhr.

Eintritt: 7,50 € Erwachsene, 4,50 € Kinder & Jugendliche 

Führungen: Diverse Touren möglich, nähere Informationen erhältst du hier.

Die Altstadt

Das größte Highlight in Goslar ist sicherlich die ebenfalls dem UNESCO-Weltkulturerbe angehörende Altstadt, die viel Tradition und Geschichte, aber auch Modernität ausstrahlt. Jedes Haus ist in Goslar einzigartig – manchmal verliert man sich im Staunen über die vielen schrägen Häuser, die aussehen, als wenn sie gleich umkippen. Im Gegensatz zu den meisten deutschen Städten, sucht man hier Hochhäuser und Mietswohnungen vergeblich, die Häuschen sind maximal zwei Stockwerke hoch und strahlen geradezu Geschichte aus. Die malerischen Gassen mit dem bunten Kopfsteinpflaster runden das Gesamtbild ab.

Rammelsberg

Die Lage Goslars im Harzgebiet wurde bereits in frühester Zeit für den Bergbau genutzt. Die Anlage war bis zum Jahr 1988 nahezu 1000 Jahre in Betrieb und dient nun als Museum und Besuchsstätte. Hier erlebst du den Tagebau direkt aus der Nähe. Beispielsweise kannst du mit der Grubenbahn durch das Bergwerk düsen, den Stollen entdecken und die chemischen Reaktionen innerhalb der Erzaufbereitung kennenlernen. Eine Führung ist für das Verständnis und den geschichtlichen Hintergrund vermutlich sehr empfehlenswert. Wir haben es aus Zeitgründen leider nicht geschafft, würden es aber definitiv machen.

 Tageskarte MuseumTageskarte Museum +1 Führungen*Tageskarte Musem +2 Führungen*Tageskarte Musem +3 Führungen*
Erwachsene9,00 €16,00 €21,00 €25,00 €
Kinder/Jugendliche (bis17 Jahre)4,50 €9,00 €12,00 €14,00 €
Ermäßigt**6,00 €11,00 €15,00 €17,50 €

Wernigerode

Brockenwanderung

Die Planung unserer Wanderroute haben wir uns viel leichter vorgestellt. Uns war klar – wir wollen hinauf zum Brocken. Aber welchen Weg sollten wir nehmen? Gibst du Harzer Wanderrouten in die Suchmaschine deines Vertrauens ein, erhältst du hundert verschiedene Routen, die alle woanders starten und ebenfalls woanders enden. Die wohlbekanntesten Routen sind der Harzer-Hexen-Stieg mit über 97 km länge und der Teufelsstieg, welcher in 13 km bis zum Gipfel führt. Leider startete keine bekannte Route von Wernigerode, sodass wir mit Google Maps und einem groben Bild des Berges einfach losmarschierten und unseren eigenen, individuellen Weg hinauf zum Brocken suchten.

Unsere Vorbereitung

„Vorbereitung ist die halbe Miete“ hören wir unsere Eltern schwadronieren als wir kaum vorbereitet unseren Weg hinauf zum Brocken antreten. Eine wirkliche Vorbereitung haben wir uns nicht überlegt, sondern schnell die wichtigsten Dinge eingepackt – Wanderschuhe, Wasser, etwas Proviant sowie unsere Handys mit Powerbank.  Der grobe Plan: bis auf die Spitze des Brockens zu wandern und die Schmalspurbahn dann zurück Richtung Stadt zu nehmen.

Unsere Wanderroute auf die Brockenspitze

Früh aufgestanden riefen wir Google Maps auf und machten uns auf den Weg in Richtung des sagenumwobenen Brockens. Voller Vorfreude und mit einer gewissen Anspannung liefen wir los: Werden wir den Anstieg wirklich schaffen? Haben wir an alles gedacht? Spielt uns die Internetwüste Deutschland während der Wanderung einen Streich? Und fast am Wichtigsten – kennt sich Google Maps überhaupt mit den Wanderwegen aus oder laufen wir direkt ins Niemandsland?

Noch in Wernigerode hielt die erste Abbiegung eine knifflige 50/50-Entscheidung parat, die uns direkt auf einen von Google Maps ausgewiesenen Weg führte, den es schlicht nicht gab. Nichtsdestotrotz folgten wir dem menschenleeren Weg, hielten uns in etwa an die zu erwartende Himmelsrichtung und erreichten nach einigen Kilometern bergauf einen wunderschönen Ausblick in die Schlucht des Harzgebirges. Mit neuem Mut ausgestattet, stand uns nun auch die Wegführung wieder zur Seite und wir liefen über breite Schotterstraßen stets bergauf um die Schlucht herum. Währenddessen verstummten unsere Gespräche merklich und wir genossen die Ruhe des Waldes, die sich verändernde Fauna und lauschten den Geräuschen der durch den Wind knackenden Bäume. 

Nach einigen Kilometern drangen wir tiefer in den Wald hinein und erreichten den Checkpoint „Mönchseiche“. Der alte, bereits verwitterte Baum diente als Treffpunkt der Mönche, die sich zwischen den Klöstern trafen. Hier gab es auch den ersten Stempel, welchen man für die Wandernadel sammeln kann. Von nun an folgten wir Google Maps, sodass wir über kleine Wege in die Tiefe des grünen Walds gelangten. Oft hielten wir an und staunten über die unwirklich anmutenden Felsformationen, die die Eiszeit hinterlassen hat. Plötzlich hörten wir ein leises Knacken und trauten unseren Augen kaum als ein ausgewachsenes Reh vor uns auftauchte und uns argwöhnisch beobachtete. Die Zeit schien nun für einen Moment still zu stehen, bis wir langsam einen Fuß vor den anderen setzten und das Reh sich anmutig wieder in Bewegung setzte – so cool!

Nach dieser Begegnung fielen uns die weiteren Kilometer wieder leichter, bis wir einen letzten Checkpoint erreichten, an dem sich die Straße gabelte und wir den Weg durch einen lichten Wald mit vielen Tannen fortsetzten. Mit peitschendem Wind im Rücken wähnten wir uns dem Ziel nahe. Zwischen uns und der Brockenspitze lagen aber zu diesem Zeitpunkt noch satte 6 km purer, steiler Asphaltweg. Nun begegneten uns auch viele andere Wanderer, die den Berg gerade herunterschlenderten, nachdem sie den umgekehrten Weg unternahmen und die Schmalspurbahn für den Hinweg nutzten. Völlig kaputt, mit schmerzenden Sohlen und flachem Atem erreichten wir die letzten Meter, die uns vom Gipfel trennten. Mit einem letzten Willensakt überwanden wir die Strecke und euphorisierende Glücksgefühle durchströmten uns. Wir hatten es tatsächlich geschafft! Nach über 5 Stunden und 21 km Fußweg (nur bergauf) erreichten wir den, im Endeffekt sehr kleinen, Brocken und jubelten über unsere Leistung. Ein Wahnsinnsgefühl!

Hard Facts

Tour: Wernigerode – Brockenspitze

Kilometer: 20,43

Zeit: 05:20 Std.

Terrain: größtenteils Wald, zum Ende hin

Asphalt

Höhenmeter: 950m

Schwierigkeit: Mittel

Wie viel kostet die Brockenbahn? 29  € p.P. einfache Fahrt, 45 € p.P. Hin- und Rückfahrt, 17,50 € Kind (6-14 Jahre einfache Fahrt), 27 € Kind (6-14 Jahre Hin-und Rückfahrt)

Weitere Infos gibt es hier.

Die Altstadt

Die Altstadt von Wernigerode ähnelt den umliegenden kleinen Städten wie Goslar. Kleine Fachwerkshäuser, niedliche Gassen und buntes Kopfsteinpflaster prägen das Stadtbild. Die autofreie Zone in der Altstadt lädt zudem zum Schlendern, Kaffee trinken und Stöbern ein. Wir haben es genossen, die verträumte Gegend früh am Morgen zu besuchen, wenn die Geschäfte erst langsam öffnen und die anderen Touristen noch nicht aufgestanden sind.

Schloss Wernigerode

Hoch über Wernigerode thront das traditionsreiche Schloss, welches durch seine Lage für einen tollen Ausblick prädestiniert ist. Hast du erstmal die Steigung hinter dich gebracht, erwartet dich ein toller Ausblick auf die Stadt.

Wer sich zudem einmal anschauen möchte, wie die Grafen und Könige im Mittelalter lebten, sollte das Museum des Schlosses im Wald besuchen. Seit dem zweiten Weltkrieg ist das Schloss nun als Museum für Besucher geöffnet und bietet einen authentischen Blick in restaurierte Räumlichkeiten, die detailliert und realitätsnah nachgebaut wurden. Anhand von Thementafeln erhält der Besucher alle relevanten Informationen und man fühlt sich tatsächlich selbst ein bisschen wie ein Schlossbewohner.

Öffnungszeiten: 19. April – 03. November: Mo-So 10:00-18:00 Uhr (ohne Führung). Letzter Einlass um 17:30 Uhr. In der Führungssaison wird ein Aufschlag von 1,00 € p.P. auf den Eintrittspreis erhoben.

Eintritt: 7,00 € Erwachsene, 6 € Schüler & Studenten, 3,50 € Kinder 6-14 Jahre, unter 6 Jahre Eintritt frei, 17,50 € Familienkarte 

Brauereibesuch

Wenn du genug vom vielen Wandern hast oder falls das Wetter nicht mehr mitspielt, kannst du die ortseigene Brauerei besuchen. Dort wird seit Jahrzehnten das mildsüffige Bier „Hasseröder“ gebraut. Eine Führung durch die Hallen von Hasseröder kannst du auf Anfrage erhalten. Darin sind eine circa einstündige Führung sowie ein anschließendes frisch gezapftes Bier und eine deftige Brotzeit inkludiert. Falls aktuell keine Führung möglich ist, kannst du immerhin den Hasseröder-Shop besuchen, der direkt an der Brauerei angrenzt.

Führung: Auf Anfrage per E-Mail möglich.

Eintritt: 13 € p.P.

Der Harz - Where to sleep?

Wernigerode - Wohnung
↠ 31,33€ Apartment/Nacht
Airbnb-Apartment

Unsere Unterkunft in Wernigerode war ein wunderschönes Airbnb-Apartment. Es war modern, sehr sauber, es gab eine Küche zum Kochen und von der Dachterasse hat man einen unglaublichen Ausblick auf das Schloss Wernigerode. Eine der besten Wohnungen, die wir je hatten und definitiv empfehlenswert.

Wie viel kostet es? 62,66 € für 2 Personen für 2 Nächte (~ 31,33 € pro Zimmer/Nacht)

Alles zu Fuß erreichbar? Ja, ein Supermarkt ist in 5 Fußminuten erreicht, die Wanderwege starten fast vor der Tür und auch zur Altstadt sind es nur 15 Minuten.

↠ Airbnb-Gutschein für dich.

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